Vorwort

 
Am 20.03.2022 feiert Walter Maurer seinen 80. Geburtstag. Freunde, Kollegen, Familie und Wegbegleiter wollen durch ihre Mitwirkung an vorliegender Festschrift dem zu Ehrenden ihre tiefe Verbundenheit und Anerkennung für sein bisheriges Werk zum Ausdruck bringen und ihm für sein künftiges Schaffen weiterhin gutes Gelingen wünschen.
 
Walter Maurer wurde am 20.03.1942 im damals noch beschaulichen Dachau bei München als zweites Kind von Katharina (1915 – 2006) und Martin Maurer (1905 – 1945) geboren. Seine Kindheit und Jugend waren geprägt durch die bedingungslose Liebe seiner Mutter, welche nach dem Tod ihres Ehemannes, der in jungen Jahren als Berufssoldat dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel, als alleinerziehende und gleichzeitig berufstätige Mutter für die Versorgung des kleinen Walters sowie seiner Schwestern Gisela (1938) und Karin (1943 – 2009) aufkam. Der sinnlose Krieg und der Schmerz über den frühen Verlust des Vaters waren mitunter auch Auslöser für den starken moralischen Kompass und das spätere umfangreiche künstlerische Engagement Walter Maurers für ein friedvolles Miteinander ohne Hass, Ausgrenzung und Diskriminierung. Trotz seines vergleichsweise jungen Alters bei Kriegs- ende, brannten sich Ereignisse wie die umfassende Bombardierung Münchens und die da- mit verbundenen, im Luftschutzbunker spürbaren Detonationen, das Ticken der Bunkeruhr und das ängstliche Schweigen aller Beteiligten, unwiderruflich in sein Gedächtnis ein. 

Dass Kreativität und Ästhetik in seinem späteren Berufsleben eine große Rolle spielen würden, zeichnete sich bereits früh ab. Um „abzuschalten“ verbrachte Walter Maurer in seiner Jugend viel Zeit mit Stift und Papier, zeichnete Entwürfe und brachte sich bereits autodidaktisch umfangreiche Zeichenfähigkeiten bei. Das erste Mal mit Lack kam er in der Garage eines Nachbarn in Berührung. Im Anschluss an den Schulbesuch begann er sodann eine berufspraktische Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Hans Baier in München, welche er im Jahre 1959 mit Bestnoten abschloss. Der für heutige Begriffe etwas sperrig anmutende Abschluss als „Schilder- und Lichtreklamehersteller“ (Werbetechniker) und das darauf folgende Studium der „Gebrauchsgrafik“ (Grafikdesign) bildeten den Grundstein für seine spätere Karriere. 

Im Jahre 1967 erfolgte der nebenberufliche Abschluss des Studiums des Grafikdesigns, im Rahmen dessen er als Student von Prof. Carl L. Gössl stark von diesem beeinflusst wurde und sein Wissen im Bereich der Farbenlehre vertiefen konnte. Im selben Jahr nahm Walter Maurer auch seine selbständige Tätigkeit als Designer mit dem Schwerpunkt Lackdesign auf. Die Verknüpfung von Theorie und Praxis waren für ihn stets von höchster Priorität, weshalb er neben seines Studienabschlusses als Designer auch zwei handwerkliche Meistertitel (Meister des Werbetechnikerhandwerks und Meister des Lackiererhandwerks) erwarb. 

Seit den 1970er-Jahren arbeitete Walter Maurer auf künstlerischer Ebene verstärkt mit an- deren international anerkannten Künstlerinnen und Künstlern zusammen. Zu den Höhe- punkten seiner beruflichen Karriere zählen insbesondere die gemeinsamen Projekte mit Andy Warhol, Frank Stella, Roy Lichtenstein, Ernst Fuchs, Alexander Calder und César Manrique, auf welche in vorliegender Festschrift noch näher eingegangen wird. Sein geselliges Gemüt spiegelt sich auch in der Beziehung zu den vorgenannten Künstlern wider, mit welchen sich teilweise innige Freundschaften und ein reger künstlerischer Austausch ent- wickelten. Heute ist der Name Walter Maurer unmittelbar mit den legendären BMW Art Cars verbunden und nicht mehr wegzudenken. Eine Kontinuität, welche sich durch fast alle von BMW vorangetriebenen Art Car-Projekte zieht. 

Neben der künstlerischen Umsetzung diverser BMW Art Cars kreierte Walter Maurer für die BMW AG und andere internationale Auftraggeber umfangreiche Designs, welche inter- nationale Anerkennung fanden und deren Werbewert auch von Unternehmen anderer Branchen schnell erkannt wurde. 

Zu Beginn der 1980er-Jahren gestaltete Walter Maurer das Farbenkleid von 40 BMW M1- Fahrzeugen ab Werk vor deren Auslieferung, in den 1990er-Jahren folgten über 100 Walter Maurer-BMW für den asiatischen Markt. 

Im Jahre 1990 wurde Walter Maurer an die Akademie der Bildenden Künste in München berufen, wo er in den Jahren 1991 bis 2001 einen Lehrauftrag für Farbenlehre innehatte und eine Vielzahl angehender Bildhauer, Maler, Grafiker und Architekten inspirierte und anleiteten, neue und attraktive Wege zu gehen. 

Von 1984 bis 2002 leitete Walter Maurer als Akademiedirektor außerdem die Akademie für Kunst, Design und Lackhandwerk – Glasurit School of Design der BASF-Gruppe. 
Als freier und vielseitiger Geist brauchte und braucht Walter Maurer immer wieder Veränderung und neue Herausforderungen. So überrascht der Umstand, dass sich Walter Maurer in den 1980er-Jahren neben seiner Künstlerkarriere auch eine semi-professionelle Karriere als Automobilrennfahrer aufbaute, nur im ersten Moment. Er selbst sagt immer, für ihn wäre der Automobilrennsport ein reines Hobby gewesen. Freunde und Wegbegleiter aus dem Rennsport wissen aber, dass der Rennsport sehr viel mehr für ihn war, nämlich auch ein Stück Lebensqualität, Aufregung und Abwechslung – durch seine Adern fließt Benzin. 
Schnelligkeit und Adrenalin begleiten Walter Maurer tagtäglich. 

So geduldig und konzentriert, wie er am Zeichenbrett, Fahrzeug oder Flugzeug arbeiten kann, so schnell und aufregend muss sein Leben jenseits seiner künstlerischen Tätigkeit sein. 

Wenn Walter Maurer auch heute nicht mehr auf der Rennstrecke hinter dem Lenkrad sitzt, dann liegt das keineswegs an mangelnder Fitness. Wie so oft, brauchte er Anfang der 1990er-Jahre etwas Abwechslung – etwas „Neues“ – und ließ sich erfolgreich zum Privatpiloten ausbilden. Heute bevorzugt er also den „Blick von Oben“ auf die Rennstecke, wenn er an einem schönen Sommertag zu einem seiner Helikopterausflüge aufbricht. 
Das Leben Walter Maurers hört sich im ersten Moment fast surreal an. Wie kann eine einzelne Person so viel erlebt haben? Wie kann eine einzelne Person so viel bewegen? 
Er arbeitete mit Warhol, Stella, Lichtenstein und Co., ging bei Karl Lagerfeld ein und aus und saß mehrmals ganz selbstverständlich mit König Carl XVI. Gustav von Schweden im heimischen bayerischen Wohnzimmer beim Weißwurstessen. 

Er führte über Jahrzehnte eines der führenden Unternehmen im Bereich der Industrielackierung und baute sich gleichzeitig eine Karriere als Künstler und Designer auf. Er tat alles dafür, sein Wissen an die kommende Generation weiterzugeben und engagierte sich umfangreich in Lehre und beruflicher Bildung. Er raste nachts mit dem Auto quer durch Europa, nur um nach einem erfolgreichen Autorennen um 07:00 Uhr morgens pünktlich mit seinen beruflichen Projekten fortzufahren. Er engagiert sich bis heute umfangreich sozial, unter anderem als Mitglied des Lions-Club Dachau. 

Walter Maurer hat in seinen 80 Lebensjahren so viel erreicht, wo- für andere Menschen zwei oder gar drei Leben benötigen würden. Trotzdem – oder genau deshalb – erfreut er sich an seinem 80. Geburtstag bester Gesundheit und eines Tatendrangs, der manchen 20-Jährigen „alt“ aussehen lässt. Walter Maurer ist ein Stehaufmännchen, ein Macher und Gestalter, das lebendige Beispiel eines Selfmade-Man. Er stammt kriegsbedingt aus einfachen bürgerlichen Verhältnissen und musste sich seine Erfolge hart erkämpfen. Seine Herkunft war für ihn Ansporn und Selbstverpflichtung zugleich. 

Und trotz all der Erfolge ist Walter Maurer immer ein normaler Mensch geblieben. Er liebt das Zusammensein in geselligen Runden, hat großen Respekt vor harter, körperlicher Arbeit und ist sich auch selbst nicht zu schade, mit der Schleifmaschine Hand anzulegen. Man könnte meinen, wer sich ganz selbstverständlich mit den Großen seiner Zeit umgibt, könnte die Bodenhaftung verlieren. Dies trifft auf Walter Maurer nicht zu. Seine Philosophie lautet: „Wir sind doch alle Menschen und müssen uns mit demselben Respekt gegenübertreten“. 
Diese Vielseitigkeit ist einzigartig und genau diese Vielseitigkeit macht Walter Maurer als Mensch und Vorbild aus.  

Wir freuen uns sehr, dass wir den 80. Geburtstag Walter Maurers zum Anlass nehmen dür- fen, sein umfassendes Wirken mit vorliegender Festschrift zu ehren. Der Titel der Festschrift „Kunst im Dialog“ geht einerseits auf die von Walter Maurer initiierte Kunstserie „Dialog“ zurück, steht gleichermaßen allerdings auch symbolisch für die Vielseitigkeit Walter Maurers und den roten Faden, welche die Kunst durch sein Leben zieht. 
Den an vorliegender Festschrift beteiligten Bearbeitern, welche vielfältige Beiträge aus grundverschiedenen Interessensgebieten des Jubilars beigesteuert haben, gilt an dieser Stelle besonderer Dank. 

Im Sinne Walter Maurers gehen sämtliche Erlöse aus dem Verkauf der Festschrift, welche über die Verlags- und Herstellungskosten hinausgehen, dem Kinderhospiz St. Nikolaus im Allgäu zugute – Ein Herzensprojekt von Walter Maurer. 


EIN WUNDERBARES
GEMEINSCHAFTSPROJEKT